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Aktuelle Lage an der DSB |
| Posted by Administrator (tusche) on 08.02.2012 |
Deutsche Schule der Borromäerinnen in Kairo wegen aktueller Bedrohung geschlossen
Seit 5 Tagen ist die DSB Kairo ununterbrochen im Mittelpunkt der gewaltsamen Auseinandersetzungen zwischen Demonstranten und Polizei. Die Deutsche Schule liegt direkt vor dem umkämpften Innenministerium und ist von den beiden Zugangsstraßen, der Noubarstraße und der Fahmystraße begrenzt. Inzwischen sind in diesen beiden Straßen mehr als ein Dutzend Menschen gestorben und hunderte von Verletzten zu beklagen.
Am vergangenen Donnerstag, den 2.Februar musste, aufgrund der sich entwickelnden Demonstrationen, die Zeugnisausgabe vorgezogen und die Schule geschlossen werden. Ursache für diese neuen Demonstrationen waren gewaltsame Ausschreitungen bei einem Fußballspiel in Port Said, bei dem über 70 Menschen zu Tode kamen. Die Demonstranten werfen dem Innenminister vor, dass die Polizei bei diesem Vorfall untätig zugeschaut hat.
Auf dem inzwischen berühmten Tahrirplatz ( Platz der Befreiung ) stehen weiterhin zahlreiche Zelte der Demonstranten und viele Menschen. Es wird heftig diskutiert, insgesamt ist die Situation jedoch relativ ruhig und gewaltfrei.
Leider haben die Auseinandersetzungen sich inzwischen in die Straßen rund um die Schule verlagert, so dass ein Zugang zur Schule nicht mehr möglich ist. In den letzten Tagen wurden direkt gegenüber der Schule Geschäfte geplündert und sind ausgebrannt. Die Straße ist übersät mit Glassplittern und Steinen, die als Wurfgeschosse dienten.
In der Revolution im Frühjahr blieb die DSB noch gänzlich unversehrt, jetzt aber sind alle Außenwände mit politischen Parolen verschmiert und verschiedene Fensterscheiben im Treppenhaus und im Erdgeschoss eingeschlagen. Im Zimmer des Oberstufenkoordinators liegen Steine auf den vorbereiteten Abiturpapieren.
In der Schule befinden sich nur noch Sr. Mathilde und vier Schwestern vom Orden des Heiligen Karl Borromäus, die ihr Haus bewachen. Zur Unterstützung sind Tag und Nacht einige kräftige Männer des Personals anwesend. Der innere Bereich der Schule ist bisher verschont geblieben und gleicht einer ruhigen Oase im tobenden Wüstensturm außerhalb.
Das Schlimmste für Sr. Mathilde ist jedoch das eingesetzte Tränengas. Täglich landen Gaspatronen im Schulhof und machen das Atmen unmöglich.„Unsere Fenster sind natürlich nicht dicht, so dass sogar in den Räumen die Augen tränen und der Kopf schmerzt“ beklagt Schwester Cornelia. In den nächsten Tagen sollen von der Botschaft Gasmasken geliefert werden.
Ganz anders sieht die Welt im Kindergarten und der Vorschule im 15 km vom Zentrum entfernten Stadtteil Maadi aus. Dort läuft der normale Betrieb in ruhiger Atmosphäre ab. Schwester Regina: „ Wir merken hier von den Vorgängen in der Stadt gar nichts, es ist ruhig und fast alle Kinder kommen“. Dort im Kindergarten begannen am Dienstag, 7.2. die Abitur- und die FOS-Prüfungen mit dem Fach Deutsch.Fünf Stunden beschäftigen sich die 39 Schülerinnen mit der Textanalyse von Max Frischs „Andorra“ oder mit den Maximen des guten Handelns in Lessings „Nathan“. Tanja, eine Abiturientin stellt fest „Eine schönere Abiturprüfung mit grünen Bäumen vor dem Fenster und Vogelgezwitscher kann es nicht geben“. Für die Mädchen ist es ein ganz besonderes Erlebnis, dort die Abschlussprüfungen zu schreiben, wo vor 14 Jahren ihre DSB-Schulzeit begonnen hat.
Für die restlichen 22 Klassen der Klassenstufen 1-11 erfolgt ein Ersatzunterrichtsprogramm in der DEO, der Deutschen Evangelischen Oberschule, auf der anderen Seite des Nils in Giza. Die Schulleitung der DEO war sofort bereit in dieser extremen Situation auszuhelfen. An zwei Nachmittagen und an den beiden schulfreien Tagen der DEO, am Freitag und am Samstag, wird in der Gastschule nun unterrichtet. Zusätzlich erfolgt Unterricht über die bewährte Lernplattform im Internet oder per Mail. So sind die Erfüllung der Lehrpläne und die Vorbereitungen auf die anstehenden Prüfungen, z.B. die staatlichen Arabisch-Prüfungen und die deutschen zentralen Prüfungen in Klasse 10, gesichert.
Der Schulleiter Walter Ritter dankte daher in der Krisen-Lehrerkonferenz allen Kolleginnen und Kollegen: „Es ist großartig wie unter diesen schwierigen Bedingungen alle Lehrer und Lehrerinnen ihre Arbeit mit außergewöhnlichem Engagement verrichten“, und hofft auf ein baldiges Ende der Gewalt und auf eine friedliche Zukunft in Ägypten.
Bilder:

Schule, Hauptgebäude von außen Fahmy-Straße: Geschäft gegenüber dem Stellvertreterzimmer, ausgebrannt.

Schule verschmiert mit politischen Parolen Fahmy-Straße: das Schulgebäude ist rechts

Noubarstraße: Aufmarsch, Polizei und Demonstranten Noubarstraße: Militärtransporter wartend
Schulleiter vor der Schule
Walter Ritter
Schulleiter
Last changed: 08.02.2012 at 16:33
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