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Eine BÜCHERBÖRSE in revolutionären Zeiten

Posted by Administrator (tusche) on 02.11.2011
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Eine BÜCHERBÖRSE in revolutionären Zeiten

 

Einen Tag vor Beginn der Bücherbörse mussten wir erschreckt feststellen, dass genau das eintrat, wovor wir uns gefürchtet hatten: ein Streik direkt vor unserer Haustür.

Die unteren Ränge in der Polizei riefen zu einem offenen Streik auf, den sie erst beenden wollten, wenn alle ihre Forderungen erfüllt seien.                                  

Während der drei Tage gab es zeitweise den „Geruch“ eines neuen großen Konflikts. Aber, wie durch ein Wunder konnten wir die gesamte Bücherbörse mit ihren eingeflochtenen Märchenstunden und Lesungen ohne Zwischenfälle stattfinden lassen.

 

 

                         

 

Unsere Schülerinnen haben sich daran gewöhnt, dass ihre Schule mitten in einem Gebiet liegt, wo fast täglich Geschichte geschrieben wird. Sie gehen bereits sehr souverän damit um und beteiligen sich aktiv, wenn es um die Diskussion der seit der Revolution stattgefundenen Ereignisse geht. Nicht weniger laut, deutlich und aufgeregt legen sie ihre Vorstellungen zur Zukunft Ägyptens dar.

Sie lassen sich nicht die Butter vom Brot nehmen, d.h. sie sind entschlossen, für ihre Heimat alles zu geben, damit es eine wirklich gerechte Zukunft für alle Menschen in Ägypten gibt.

 

Facebook, You Tube und Twitter verbreiten in Windeseile Neuigkeiten, die wir alle in dieser aufregenden Zeit brauchen.

So kam es, dass wir AMR KATAMESH über You Tube entdeckten, ein Poet mit durchschlagender Wirkung. Seine Videoclips werden von vielen Anhängern geradezu „aufgesaugt“.  Schon im Vorfeld unserer Bücherbörse löste die Ankündigung, dass er in unsere Schule kommt, helle Begeisterung aus.

 Aber, wie das Schicksal so spielt, musste er buchstäblich im letzten Moment absagen. Er ist heutzutage ein vielgefragter Entertainer.

 Wie sollte man nun einer bereits ungeduldig wartenden Schülerschaft der 12. Klassen erklären, dass Umstände, sprich: „suruf“, sein Kommen verhinderten?

 Frau Noha, unsere Bibliothekarin für den arabischen Teil der Bibliothek und ein wahrer Fels in der Brandung, wenn es um Fragen ihrer Heimat Ägypten geht, machte das Unmögliche  möglich     

Sie zauberte jemanden aus dem Hut, der sich trotz vieler wichtiger Termine bereit erklärte, die Lücke zu füllen. MOHAMED FATHI, ein junger Autor, begeisterte bereits vor 2 Jahren zum ersten Mal seine Zuhörerschaft bei uns.

Dieses Mal erzählte er, wie er die Revolution an vorderster Front erlebt hat. Am 25. Januar war es für ihn und viele andere so, als wäre es eine normale Demonstration, wie sie schon öfter stattgefunden hatte. Spätestens aber am 28. Januar wurde ihm klar, hier handelt es sich um eine richtige Revolution, die nicht mehr zu stoppen ist. Das Volk hatte sich erhoben und überall geschrieben stand nun: Jaskut, Mubarak! Unfassbar, aber wahr!

MOHAMED FATHI begeisterte beide 12. Klassen, Lehrer und Gäste.

 

                       

                               

Es war wie üblich eine Unterrichtsstunde für diese Diskussionsrunde vorgesehen. Diese reichte aber bei weitem nicht aus. Die große Pause und eine weitere Stunde wurden angehängt und selbst dann war es schwer, einen Schlussstrich zu ziehen.

Unsere Schülerinnen  sprühten nur so vor Kampfesgeist und eine jede hätte etwas sagen wollen – um weiter diskutieren zu können, tauschten dann einige Schülerinnen ihre Facebook-Adressen mit Herrn FATHI aus.

  

 


 

Märchenstunde in der  Grundschule

 

DAS ESELEIN

Es lebten einmal ein König und eine Königin, die waren reich und hatten alles, was sie sich wünschten – nur keine Kinder…                                   

                                                                           

Frau LEWERENZ, unsere beliebte Märchenerzählerin , stellte dieses Märchen unseren  3. Klassen vor.

Man hätte eine Stecknadel fallen hören, so leise war es  im Musikraum. Der Zauber dieses Märchens erreichte alle Kinder gleichermaßen. An der Flut der Fragen im Anschluss an den Vortrag war zu erkennen, wie gut die Kinder den tieferen Sinn des Märchens erfasst hatten.

 

Immer wieder gab es die Frage, ob denn die Geschehnisse im Märchen auf Wahrheit beruhen würden. Darauf antwortete Frau LEWERENZ: Das Besondere an den Märchen ist, dass sie  wundersame Gegebenheiten enthalten, die der Fantasie der Erzähler entsprungen sind und im normalen Leben so nicht zu finden sind. Die Weisheiten, die die Märchen vermitteln, helfen uns aber in unserem Leben. Wir alle lieben deshalb die Märchen  und werden von ihnen tief berührt. 

 

         

 


 

Die Geschichte von den drei Ringen und wie Gotthold Ephraim Lessing diesen literarischen Stoff in seiner berühmten „RINGPARABEL“ wieder zum Leben erweckt hat

 

Frau LEWERENZ las den beiden 11. Klassen zuerst die „Geschichte von den drei Ringen“ vor. Obwohl im Unterricht noch nicht behandelt, erfassten die Schülerinnen sehr schnell den Grundgedanken. Es geht um das friedliche Miteinander aller Menschen, egal welcher Religion sie angehören. Toleranz ist gefragt, welche Respekt und Anerkennung des anderen einschließt.

Frau LEWERENZ zeigte große Emotionalität während ihres Vortrags und es brauchte ein wenig Zeit, bis sie die „Ringparabel“ frei vortragen konnte. Die Schülerinnen ihrerseits waren zutiefst gerührt. Großer Beifall setzte ein und gleichzeitig war niemand in der Lage, Worte auszusprechen.  Ganz Ägypten durchlebt jetzt eine Phase größter Umwälzungen und jeder von uns wird täglich mit den Schwierigkeiten dieses Umbruchs konfrontiert.

Mehrere Schülerinnen fanden dann aber zum Abschluss wirklich treffende Worte, die selbst ein Moderator nicht hätte besser formulieren können.

 

Diese Stunde mit Frau LEWERENZ  wird den 11. Klassen ganz bestimmt in guter Erinnerung bleiben.

 

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Diese BÜCHERBÖRSE war wieder ein großes Fest für alle Bücherwürmer unserer Schule. Gleichzeitig brachten sich wieder viele Klassen mit interessanten Diskussionen

in die vorbereiteten Märchenstunden und Lesungen ein.

 

Wir bedanken uns bei allen Ausstellern und Referenten, die zum Gelingen der Bücherbörse beigetragen haben und freuen uns auf ein Wiedersehen im nächsten Jahr.

 

Frau Heikal und Frau Noha

 

(Bibliothekarinnen der DSB Kairo) 

 

Last changed: 03.11.2011 at 04:11

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