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Lesung mit Annett Gröschner

Posted by Kaettnis (kaettnis) on 06/11/2009
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Annett Gröscher an der DSB

Wie werde ich eine Schriftstellerin, was verdient man als Journalistin, schreiben Sie sich Ihre Gedanken immer sofort auf, wie gehen Sie mit Kritik um und welchen Autor mögen Sie besonders? Diese und ähnliche Fragen stellten die Schülerinnen der elften und zwölften Klassen der Schriftstellerin Annett Gröschner, als diese kürzlich die DSB besuchte. Die Autorin stellte sich zunächst vor, las dann aus ihrer Kurzgeschichte „Die Rache“ und beantwortete anschließend die Fragen der Schülerinnen.

Frau Gröschner ist eine renommierte Schriftstellerin (ausgezeichnet z.B. mit dem Anna Seghers Preis), die sehr vielseitig beschäftigt ist.- Sie arbeitet als Autorin, als Wissenschaftlerin, als Projektleiterin und – was für die Schülerinnen von besonderem Interesse war – auch als Lehrerin für kreatives Schreiben. Viele Fragen drehten sich daher auch um diesen Bereich, um den Produktionsprozess, um das Leben als Schriftstellerin: Wann schreibt man, wie schreibt man, wie kann man seinen Stil verbessern, wie bewusst schreibt man, welches Hauptmotiv haben Sie, und haben Sie auch immer eine Intention im Kopf? Die Autorin antwortete darauf  umfassend, so dass insgesamt sehr gut deutlich wurde, wie das Leben einer freien Autorin aussieht (bis hin zu den finanziellen Engpässen). Sie erklärte, dass man, um schreiben zu können, erst einmal selbst sehr viel lesen muss, man muss „selber erst einmal viel zur Kenntnis genommen haben“, um die Sprache und Literatur kennen zu lernen und um Inspiration zu bekommen. Außerdem sollte man seine Werke anderen zur Kritik vorlegen, auch wenn es nicht immer einfach ist, mit Kritik umzugehen. Schließlich - und das ist vielleicht das Wichtigste: Man muss etwas zu sagen haben! Und dafür muss man auch etwas erlebt haben, und erleben kann man nur, wenn man reist, wenn man sich austauscht, wenn man mit den Menschen spricht und diese beobachtet, wenn man sich also regt und aufmerksam durch die Welt geht.

Angesprochen auf ihr Lieblingsmotiv, sagte die Schriftstellerin, dass sie sich sehr mit der politischen Situation des letzten Jahrhunderts beschäftigt habe, dass ihr die Teilungen und die Trennungen im Verlauf der Katastrophen des letzten Jahrhunderts nahe gingen, dass also auch Berlin als Stadt (und als Symbol der Trennung) ein wichtiges Thema für sie sei und dass sie schließlich sich vor allem mit weiblichen Figuren beschäftigt habe, da sie auch in der Frauenbewegung aktiv gewesen sei. Damit war auch der Bogen zur vorgelesenen Geschichte wieder geschlagen, denn dort ging es um den Mauerfall und wie die Autorin diesen erlebt hat. Die weiteren Fragen der Zuhörerinnen gingen also auch in diese Richtung, vor allem war nicht verstanden worden, warum die Autorin beinahe traurig war, als die Mauer fiel. Sie sagte, dass es damals eine sehr spannende Phase gewesen sei, auf einmal konnte man alles sagen, nachdem die Diktatur gefallen war. Man konnte alles diskutieren, man konnte alles aussprechen, man konnte alles träumen. Und als dann die Mauer fiel, da interessierte sich die Mehrheit nur noch für die finanziellen Seiten der Einigung, nicht mehr für die politischen. Und dies hinterließ bei vielen Intellektuellen einen schalen Beigeschmack, auch bei Annett Gröschner, denn sie hätte gerne ein neues, ein gerechteres Land gebaut. Stattdessen wurde die DDR von der Bundesrepublik gefressen, so die Autorin, und es blieb nichts von dem, was vielleicht auch gut war. Das war die späte und einfache „Rache“ der ehemaligen Machthaber. Sie wollten keine Diskussionen, sie wollten keine Veränderungen, sie wollten kein neues Land. Und als sie die Mauer so plötzlich geöffnet haben, da war es mit all dem tatsächlich vorbei, denn die meisten Menschen interessierten sich jetzt für anderes, es war, als hätten sie, die gestürzten Machthaber, gewusst, dass sie sich auf diese Weise sozusagen nachträglich rächen konnten an der Bürgerrechtsbewegung.

Dieses und noch einiges mehr berichtete Frau Gröschner, und am Ende konnten alle nur feststellen, dass sich ihr Besuch wirklich gelohnt hat.

In einem Nachgespräch betonte die Autorin, dass sie von der Disziplin und vor allem von den intelligenten Fragen der Schülerinnen sehr begeistert war, dass es ihr Spaß gemacht habe und dass sie gerne wiederkäme. Und als Abschluss bleibt nur zu sagen: Wir sehen das genauso!

Wir bedanken uns sehr herzlich beim Goetheinstitut, das den Kontakt mit der Autorin vermittelte.

Bericht: Martin Schnackenberg

Fotos: Meike Kättnis

Last changed: 06/11/2009 at 16:41:02

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