Newsarchiv

Lesung mit Frau Pausewang

Posted by Kaettnis (kaettnis) on 17/11/2009
Newsarchiv >>

Die Schriftstellerin Gudrun Pausewang an der DSB

„Ich wollte eigentlich nie Lehrerin werden. Aber ich wollte schon seit meiner Jugend immer nach Südamerika! Eine Lehrerin hat durch ihren Unterricht diesen Traum in mir geweckt. Und deshalb wurde ich dann selbst Lehrerin, denn nur auf diese Weise konnte ich meinen Jugendtraum verwirklichen, ich konnte Südamerika besuchen - und zwar als Lehrerin an verschiedenen deutschen Schulen in Chile, Venezuela und Kolumbien, was ich sonst nach dem Krieg nie hätte finanzieren können.“ Mit diesen verblüffenden Aussagen überraschte Frau Pausewang die Schülerinnen der DSB, den anwesenden Kollegen blieb allerdings während ihres Besuches nicht verborgen, dass die Autorin durchaus über großes pädagogisches Geschick verfügt, so ganz falsch kann sie also als Lehrerin nicht gewesen sein!

Nun aber, nach ihrer Pensionierung, ist Frau Pausewang nur noch Autorin – und als solche hat sie auch die DSB Kairo besucht bzw. befindet sie sich auf Lesereise in Ägypten und spezielle an den deutschen Schulen, was möglich wurde durch die finanzielle Unterstützung des Auswärtigen Amtes und der deutschen Botschaft Kairo. Der Besuch dieser Schriftstellerin, die ein ungeheures Werk geschaffen hat (88 Bücher, davon einige verfilmt), ist, nach dem Besuch von Annett Gröschner, ein weiterer literarischer Höhepunkt in diesem Schuljahr.

Frau Pausewang hat vor Schülerinnen der vierten und der achten Klassen aus ihren Werke gelesen, vorher aber berichtete sie von ihrem wechselhaften Leben. Früh erlebte sie als eines von sieben Kindern Krieg, Nationalsozialismus, Flucht und den Verlust des Vaters durch den Krieg. Nach dem Krieg studierte sie auf Lehramt und konnte so den oben beschriebenen Traum verwirklichen. Sehr viel später hat sie dann noch einmal Germanistik studiert und dieses Studium hat sie nach ihrer Pensionierung nicht nur abgeschlossen, sie hat sogar noch den Doktortitel erworben. Frau Pausewang ist ganz offensichtlich ein sehr disziplinierter, fleißiger Mensch, ansonsten wäre es ihr nicht möglich gewesen, ein so umfangreiches Werk vorzulegen und auch noch bis ins hohe Alter, sie ist immerhin schon 81 Jahre alt, so produktiv und rege zu sein. Immer noch ist sie einige Monate im Jahr auf Lesereise (im Frühjahr und im Herbst), immer noch produziert sie in den Wintermonaten und immer noch gönnt sie sich nur im Sommer freie Zeit für Reisen, Gäste und Freunde. Ihre Werke sind vielfach prämiert (das bekannteste und erfolgreichste Werk, „Die Wolke“, mit dem Deutschen Jugendliteraturpreis) und sie bedient ein breites Lesepublikum; sie hat Bilderbücher geschrieben, Kinder- und Jugendliteratur und auch noch eine ganze Reihe von Romanen für Erwachsene, womit sie ihre schriftstellerische Karriere auch begann (im Alter von 30 Jahren erstmals publiziert). Thematisch drehen sich die Bücher um ihre Lebensthemen, die da lauten: Elend in Südamerika, Schutz der Umwelt, Nationalsozialismus und Nie wieder Krieg!

Vor den Schülerinnen der DSB hat Frau Pausewang aus ihrem bekannten „Räuber Grapsch“ und aus dem Werk „Streik der Dienstmädchen“, welches eine wahre Begebenheit zur Grundlage hatte und soziale Ungerechtigkeiten in Südamerika anprangert, gelesen. Und guckt man sich den „Räuber Grapsch“ genauer an, dann stellt man fest, dass auch dieses Kinderbuch im weitesten Sinne ein „soziales“ Buch ist, welches davon handelt, wie Menschen miteinander umgehen sollten, auch wenn sie das nicht immer schaffen. Frau Pausewang sagte selber, dass sie keine heile Welt darstellen wolle, denn so könne man sich die Welt zwar wünschen, die Realität sehe dann aber doch (leider) oft anders aus.

Im Anschluss an die Lesung gab es dann noch Platz für ausführliche Fragen und Frau Pausewang zeigte sich begeistert vom Wissensdurst der Schülerinnen, welcher einem in Deutschland  so nicht begegne. Gerade die Fragen, bzw. die Beantwortung derselben, bildeten einen Höhepunkt des Besuches der Autorin, denn es wurden alle Bereiche des schriftstellerischen Schaffens angesprochen. Wie entsteht ein Buch (zunächst braucht es immer eine Idee, dann ein Handlungskonstrukt, dann die Ausformulierung), wann schreiben Sie (von Dezember bis Ostern, von 8-20 Uhr, mit kleinen Pausen), schreiben Sie auch Liebesromane (Ja!), wie schreiben Sie (am Computer), was war ihr erstes Kinderbuch („Hinterm Haus der Wassermann“), was braucht man als Autorin (Phantasie!), wie werden Sie inspiriert (tatsächliche Begebenheiten, Reisen, Musik), wann haben Sie mit dem Schreiben begonnen (schon am Ende des ersten Schuljahres), gibt es noch mehr Geschichten vom Räuber Grapsch (Ja!)?  Und so weiter und so fort. Erst das Klingeln hat die letzten Fragen unterbrochen und einige Schülerinnen haben dann sogar noch Zettel mit weiteren Fragen abgegeben, vielleicht schafft es Frau Pausewang später noch, darauf ausführlicher zu antworten.

Nur eine Frage konnte Frau Pausewang nicht beantworten, das war die Frage nach dem Buch, welches ihr selbst am besten gefalle. „Das kann ich genauso wenig beantworten wie Menschen, die man fragt, welches ihrer Kinder sie am meisten lieben, denn jedes hat seine ganz eigenen Qualitäten!“ Dem ist nichts hinzuzufügen!

 

Bericht: Martin Schnackenberg

Fotos: Meike Kättnis

Last changed: 17/11/2009 at 16:38:07

Back